Henri Kardinal de Lubac
Glauben aus der Liebe
(«Catholicisme»)

Übertragen und eingeleitet von Hans Urs von Balthasar


31992, 432 Seiten, Leinen
Euro 19.50; SFr. 38.-

ISBN 978 3 89411 162 5


Man hat de Lubac den Theologen des Menschen und sein Gesamtwerk eine fortschreitende geistliche Auslegung des menschlichen Denkens genannt. Was im Ganzen grossartig geleistet wurde, ist aber nur eine immer weitere Entfaltung dessen, was als ursprunghaft zwingende Schau bereits in diesem seinem Erstlingswerk Gestalt gewinnt. Nicht allein sind die Themen seiner theologischen Bücher und seines Dialogs mit den grossen Geistern der Zeiten bereits angeschlagen. Es ist vor allem der Geist dieses Buches, das von dem Geheimnis des Menschen in seiner Gemeinschaftsbestimmung und göttlichen Tiefe handelt, der bereits alles einschliesst, die Katholizität, die Universalität des Glaubens und Heils, die grosse Einheit des göttlichen Werkes in Kirche und Menschheit, welche unerhört bewegend sich hier ausspricht. Kein Werk der neueren Theologie, heisst es, habe in Frankreich eine ähnliche Verbreitung gefunden wie «Catholicisme», keines mit vergleichbarer Kraft bei den aktiven Christen gewirkt und beigetragen, das neue Kirchenbild zu gestalten.


P. Augustin Holbein


Wie berechtigt die bereits 1938 von Lubac niedergeschriebene Warnung vor der «sozialen Versuchung» gewesen ist, erfahren wir heute angesichts der ungebührlichen Überbetonung der horizontalen Gottesbegegnung und der sogenannten reinen Mitmenschlichkeit auch im kirchlichen Bereich. Dem überragenden Jesuitentheologen von Lyon waren die sozialen Aspekte des Glaubens schon immer außerordentlich bedeutsam. Wer seine tiefgründigen Bücher liest, wird ja gerade in den wohltuenden Sog einer gewissen Entprivatisierung hineingezogen. Aber hier geht es nach biblisch-patristischem Denken um eine Einheit des Menschengeschlechtes, die nur innerhalb der Solidarität Gottes mit den Menschen Bestand hat, also um jene dynamische Catholica, die in der göttlichen Liebesgebärde auf seine Schöpfung zu ihren Ursprung hat.
Eine Vielzahl von markanten Zitaten aus der Väterzeit lässt das Buch zu einer bereichernden Einführung in den Geist der frühen Kirche werden, wobei ein Kapitel das andere durch die Fülle an Erkenntnissen übertrifft. Ein Werk, das noch immer verdient, mit der gleichen Liebe gelesen zu werden, mit der es geschrieben ist.


Wort in der Zeit 1970